Winkelfehlsichtigkeit

Winkelfehlsichtigkeit

Augenglasbestimmungen - MKH

Augenglasbestimmungen nach der MKH (Messkorrektur nach Haase) setzen voraus, dass binokulares Sehen besteht. Manchmal ist es schwierig, oder sogar unmöglich, beidäugiges Sehen kurzfristig zu erreichen. Bei diesen Klienten kommt man nur mit der Occlusionstherapie weiter. Leider wird diese Möglichkeit von den Augenärzten nur halbherzig genutzt, die Augenoptiker sehen darin gewisse Kompetenzprobleme und wenden sie nicht an.

Das ist in erster Linie ein Thema für Kinder, wir können aber auch auf ältere Personen verweisen, denen auch in späteren Jahren noch geholfen werden konnte.

Nach der Geburt lernt das Kind sehr schnell zu sehen. Bereits mit 4 Monaten können Personen (die Mutter) erkannt werden. Bereits mit einem Jahr soll die Blickfolgebewegung mit beiden Augen möglich sein. Alle diese Leistungen werden in den RNA gespeichert, die für das ganze Leben von Bedeutung sind.

Bei einseitiger Schwachsichtigkeit verordnen die Augenärzte gerne die Abdeckmethode am besseren Auge, die nur stundenweise erfolgen soll. Dabei wird in Kauf genommen, dass trotz Verbesserung der Sehschärfe oft kein binokulares Sehen erreicht werden kann. Mir sind Kinder bekannt, die nach Therapieabschluss auf den einzelnen Augen gut sehen können, aber nicht gleichzeitig mit beiden Augen.

In meinem Beitrag stelle ich Kunden vor, die trotz jahrelanger Behandlung kein binokulares Sehen erreichen konnten. Die Ophtalmologen sehen hinter einseitiger Schwachsichtigkeit oft eine genetischen Ursache und erkennen nicht die unzureichend durchgeführte Therapie. In Einzelfällen ist die Begründung richtig, ist aber nicht die Regel.

Diese Menschen können nach Belieben mit dem rechten oder linken Auge sehen. Da keine motorische Fusion erfolgt, haben sie in der Regel keine Kopfschmerzen.

Auf die Nachteile, wie fehlendes Stereosehen, Lichtempfindlichkeit und schnelle Ermüdung, Probleme beim Autofahren besonders nachts, brauche ich nicht weiter einzugehen.

Kürzlich kam Frau H. ins Geschäft, um sich eine neue Brille anfertigen zu lassen. Die Dame ist Anfang 40, R/L ca. + 4,0 übersichtig und hat auf beiden Augen einzeln einen guten Visus, allerdings kein Binokularsehen. Das besondere Problem ist, sie wechselt, ohne es beeinflussen zu können, ständig das Sehen zwischen dem rechten und linken Auge. Da sie zudem einen Winkelfehler von 4 cm/m in der Höhe hat, pendeln die Augen rechts und links entsprechend unterschiedlich auf und ab, was zu chaotischen Problemen führt. Seit Jahren trug sie von uns Brillen bei denen der Höhenfehler korrigiert war, damit kam sie in ihrem Beruf als Krankenschwester gut zurecht.

Aus Gründen der Entfernung ließ sie sich am neuen Arbeitsort nach augenärztlicher Verordnung eine neue Brille fertigen. Der Augenarzt und der Kollege erkannten das besondere Problem bei der Frau nicht. Dreimal wurden die Gläser wegen Unverträglichkeit getauscht. Die Kundin kam auch mit den dritten Gläsern nicht zurecht, der Kollege nahm alle Gläser mit Fassung zurück und zahlte den Betrag aus.

Aufgrund der unliebsamen Erfahrung kam die Kundin trotz einer größeren Entfernung wieder zu uns zurück.

Aus der Anamnese ist bekannt, dass Frau H. mit 2 Jahren die erste Brille bekam und mit 5 bei ihr eine Schieloperation durchgeführt wurde. Mehrere Jahre musste sie immer einige Stunden am Tag ein Auge abdecken.

Die Behandlung war soweit erfolgreich, dass sie heute auf jedem einzelnen Auge eine gute Sehleistung hat. Leider wurde aber der Höhenfehler, der postoperativ bestand, nicht korrigiert. Um keine Doppelbilder zu bekommen, lernte das Kind automatisch alternierend kurzzeitig rechts-links abzuschalten. In vergleichbaren Fällen konzentrieren sich die Betroffenen meist auf ein Auge, was mit einer Verschlechterung der Sehschärfe des anderen zur Folge hat.

Die Erfahrung mit Frau H veranlasste mich, über die heute übliche Behandlung von Schielkindern zu schreiben.

Ich stelle Benjamin stellvertretend für eine Anzahl von Kindern mit ähnlichen Problemen vor.

Der Bub kam auf Empfehlung der Lehrerin zu uns. Er hatte häufig Kopfschmerzen, besonders in und nach der Schule. Bevor er mittags essen und die Hausaufgaben erledigen konnte, musste er sich erst ausruhen.

Die Werte der von ihm getragenen Brille R/L + 3,0 konnte von uns bestätigt werden. Der Visus war R 1,0, L 0,5, binokulare Teste nach der MKH waren nicht möglich, da er das linke Auge ständig abschaltete. Im Covertest war ein deutlicher Winkelfehler nach innen zu erkennen. Der Bub hatte erhebliche schulische Probleme, konnte schlecht Rad fahren und hatte Schwierigkeiten beim Ballspielen.

Meine Empfehlung an die Mutter war, eine 14 tätige komplette Occlusion des rechten Auges durchzuführen. Nur in der Schule in der die Sehleistung des linken Auges aufgrund des schlechten Visus nicht ausreichend war, sollte die Abdeckung von rechts nach linke gewechselt werden.

Ich begründete diese Empfehlung damit, dass der Sohn durch den großen Winkelfehler keine Chance hatte, beidäugiges Sehen aufzubauen. Um keine Doppelbilder zu bekommen, schaltete er immer das linke Auge ab. Dabei ging durch den Nichtgebrauch des Auges die zentrale Sehleistung auf 50 % zurück.

In diesen Situationen entwickeln die Kinder nach meiner Erfahrung eine Automatic, bei der immer ein Auge, damit keine Doppelbilder auftreten, abgeschaltet wird.

Um mit der MKH Methode arbeiten zu können, muss diese Blockade vorher aufgelöst werden. Dies geht am schnellsten, wenn dem Gehirn über längere Zeit überhaupt keine zwei Bilder mehr angeboten werden.

Die Anweisung lautete daher, sofort nach dem Aufstehen das bessere Auge abzukleben und erst wieder vor dem zu Bettgehen diese wieder abnehmen. In den ersten Tagen ist dies für die Kinder manchmal, besonders in der Schule, schwierig. Hier macht es einen Sinn, das gute Auge zu benutzen und das schwächere abzudecken, was die Kinder angenehm empfinden.

In der Zeit von drei Wochen stieg die Sehleistung des schwachen Auges auf 85 % an. Jetzt konnte auch mit beiden Augen bei der MKH gleichzeitig gesehen werden, wenn auch noch nicht stabil.

Zu diesen Testen eignet sich besonders der horizontale MKH Hakentest. Bei Benjamin konnten je Seite 8 cm/m B. außen gemessen werden.

Durch das sichtbare gute Zwischenergebnis waren Mutter mit Sohn gerne bereit, die Abdeckmethode weitere 14 Tage fortzuführen, womit der Bub jetzt keinerlei Probleme mehr in der Schule hatte.

Nach diesen 14 Tagen war die Sehleistung am schlechteren Auge bei 95 %. Beide Bilder blieben mit 9 cm/m je Seite außen weitgehend stabil, das linke wurde zwischendurch jedoch immer wieder etwas blasser.

Jetzt wurde eine Brille mit den entsprechenden Gläsern angefertigt, die spontan angenehm empfunden wurde. Diese Therapie begleitete ein Augenarzt, der auch die Gläser verordnete.

Bei der Kontrolle nach 6 Wochen wurde ein Winkelanstieg auf 12 cm/m je Seite außen festgestellt.

Jetzt wurde der Bub dem operierenden Augenarzt vorgestellt. Bis zum OP Termin von ca. 4 Wochen erhielt er auf das rechte Brillenglas zusätzlich eine Prismenfolie mit 6 cm/m außen.

Eine Kontrolle 4 Wochen nach der OP ergab einen Restwinkel von 2 cm/m außen je Seite, die dann in die neue Brille eingebaut wurden.

Die schulischen Leistungen sind inzwischen sehr stark angestiegen, der Bub hat keine Kopfschmerzen mehr und jetzt auch schon gutes räumliches Sehen, wie es bei der MKH festgestellt wurde. Zur weiteren Stabilisierung des linken Seheindruckes wurde empfohlen, mehrmals in der Woche für Stunden das rechte Auge abzudecken.

Die Mutter ist überglücklich, dass alle Probleme in so kurzer Zeit behoben werden konnten, dies nach einer mehr als fünfjährigen ergebnislosen augenärztlicher Behandlung.

Inzwischen hat der Bub auch gutes räumliches Sehen und ist ein guter Radfahrer und Ballspieler geworden.

Ich kann heute auf einige Kindern verweisen, bei denen wir mit der totalen einseitigen Occlusion wieder binokulares Sehen erreichen konnten. Alle konnten nach entsprechenden Prismenaufbau operiert werden und soweit notwendig, wurden postoperative Restwinkel mit prismatischen Gläsern ausgeglichen.

Diese Methode ist auch in besonderen Fällen bei älteren Menschen erfolgreich. Hier berichte ich stellvertretend für mehrere Personen von dem 52 jährigen Herrn H. Vor ca. 20 Jahren hatte der Mann einen schweren Unfall mit Schädeltrauma. Seit dieser Zeit sah er meist doppelt. Um besser zurecht zu kommen, hat er sich angewöhnt, ein Auge mehr oder weniger zu schließen.

Über die Jahre hat er gelernt, den Seheindruck des linken Auges abzuschalten, so dass er jetzt manchmal beide Augen offen halten kann. Da die MKH Messung aus diesem Grunde nicht möglich war, empfahl ich ihm auch die bereits bei Kindern beschriebene totale Occlusion.

Da Herrn H. bis zum Unfall binokular sah, konnte er nach zwei Wochen alternierenden Abdeckens wieder mit beiden Augen gleichzeitig sehen. Bei der jetzt durchgeführten MKH wurde ein Winkel von je 10 cm/m außen gemessen. Aus Kostengründen wurde eine Prismenfolie 20 cm/m außen an einem Auge getragen.

Ein OP Termin ist bereits vereinbart.

In Gesprächen mit Augenärzten wurde mir klar, warum die Augenärzte bei Schielbehandlungen oft kein binokulares Sehen erreichen.

Die Ophtalmologen empfehlen den Kindern nur stundenweise das bessere Auge abzudecken, um Sehschärfe am schlechteren Auge aufzubauen. Bei einer totalen Occlusion, die wesentlich effizienter und schneller geht, sehen sie das Risiko, dass Doppelbilder auftreten können. Da sie weder die MKH- noch andere Teste einsetzen, sind Doppelbilder für sie nicht erwünscht. Sie haben Probleme haben diese zu korrigieren.

Durch Gespräche mit Eltern weiß ich, dass es bei derartigen Augenproblemen, die sich öfter über Jahre hinziehen, oft Schuldzuweisungen innerhalb der Familien gibt. Durch die Vollocclusion könnten die Probleme relativ schnell gelöst werden, so dass die psychischen und physischen Belastungen der Kinder und der ganzen Familie deutlich reduziert werden können.

Peter Gsinn
Heilpraktiker
Augenoptikermeister

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